Priesterin

Sneak-Preview 2021: Totensonne

Die Nacht, die die Anviliten Inûnyrde prophezeien, ist lang. Und der Morgen ungewiss. Folge mir demnächst auf Instagram, Twitter & Facebook, um die ersten 50 Seiten von Totensonne für lau zu lesen. Artwork: Warm_Tail
Cybersamurai

Sneak-Preview 2022: Hardwired

Die Geheimnisse des Nexus kosten dein Leben, wenn du nicht schnell genug bist. Folge mir demnächst auf Instagram, Twitter & Facebook, um 2022 die ersten 50 Seiten von Hardwired kostenlos zu lesen. Artwork: Tithi Luadthong
Rabe vor Mond auf Dornen

Die Seele von „Seelenschwester“

Was erzählt der Roman Seelenschwester? Was waren die stärksten Einflüsse für den Vampir-Thriller? Und wie gut stehen die Chancen auf eine Fortsetzung? Alles zu meinem eBook. Artwork: LadyLight
Tasten einer alten Schreibmaschine

Hinter der bürgerlichen Fassade

Wer hat sich für Seelenschwester Abende am Bildschirm um die Ohren geschlagen? Ein Foto und ein paar Zeilen zu mir unter Aboutdemnächst mehr auf Insta, Facebook und Twitter.

Hardwired: Verblasster Spielplatz

Sie waren die Königinnen und Könige des düsteren Neo-Berlins der 2080er Jahre. Deidre McAnndra und die anderen schneiden durch die virtuellen Welten des weltweiten Nexus-Computernetzes mit der Effizienz eines Katanas. Doch dann stolpert ihr Anführer – vielleicht über den eigenen Hochmut?

In den Straßen ihres Megasprawls beginnt ein tödlicher Wettlauf, während ein gnadenloser Serienkiller seine Opfer im Nexus sucht und weitere Hacker sterben.

Neo-Berlin 2087

Manchmal sehe ich dich. Als wärst du nie fort gewesen. Am Ende einer virtuellen Gasse. Oder zwischen Säulen aus Algorithmus. Ich spüre dich im Nacken, wie du die virtuelle Realität störst, ein sanftes Verrücken der grafischen Codezeilen. Ein Glitch, der eigentlich unmöglich ist, der nirgends protokolliert wird. Weil er sich Platz schafft in dem Raum, der nicht ist. Weil der Raum sich einen Wimpernschlag später aufbaut, als er es eigentlich sollte. Genau da bist du.

So stelle ich es mir jedenfalls vor. Es wird niemals mehr so werden wir es war. So viel steht fest. Und es steht nicht viel fest in dieser Zeit. In dieser Stadt, die mehr wuchert als wächst. Die das Leben in den Rissen des Systems zum Alltag erklärt hat.

Ich sehe dich durch den Nexus huschen, ein silberner Schatten. Du bist der schnellste von uns. Du warst es schon immer. Niemand kam je an dich heran, niemand holte dich je ein, wenn du es nicht wolltest. Wenn du nicht absichtlich einen Moment inne hieltest und zu einem virtuellen Lächeln ansetztest. Obwohl nichts um uns herum echt war, oder nur so echt, wie es die Betreiber des Knotens oder unsere Realitätsfilter es machen wollten, war es das warmherzigste, ehrlichste Lächeln, das ich je gesehen habe. Du hast es mir geschenkt, und ich habe es tief in meinem Carbonherzen gespeichert. Es wird mit ihm schlagen und vergehen.

Es war nur ein kurzes Lächeln. Und dann bist du auch schon wie Silber davongeflossen, mit der Geschwindigkeit von Neuroimpulsen. Wie ein Wind durch anisotrop gefilterte Zweige.

Wir, unsere Nexus-Gang, und ich, haben so unsere schmutzigen Tricks. Unsere Überraschungen, Seitwärtstritte, Finten und Hilfsprogramme, Riposten, und geheimen Panzerplatten aus schimmerndem Code unter der fluoreszierenden Oberfläche aus knisternden Nullen und Einsen. Unter dem neuesten Selbst aus glühenden Farben sind sie zu einem funkelnden Kettenhemd gewoben. Halten das Gröbste ab. Bohrende Attacken, Viren, Biofeedback direkt in unsere sich heftig gegen die Überspannung aufbäumenden Gehirne, bis wir aus der Nase bluten. Hinterher haben wir uns darüber amüsiert, als hätten wir uns nur mit einer Nachbargang auf einem Spielplatz gebalgt.

Aber wir wissen, dass das nicht immer so ausgeht. Und es unter den zischenden Megapulses eher ein todernstes Spiel ist, unser Spielplatz in Wahrheit eine Gladiatorenarena. Das Glück ist uns nur so lange treu wie die neuesten Updates. Flüchtig wie elektrische Impulse, wie Paydata. Wir sind vorsichtig, geschickt, wachsam, halten uns eine Hintertür auf, wo wir können.

Du. Hast es nie gebraucht. Furchtlos bist du zwischen ihre Wächter-Agenten geschlüpft, durch ihre bis dahin fehlerfreien Avatare geglitten, hast sie desintegriert, oder sie ausgespielt. Bist durch ihre Firewall getaucht wie durch Wasser, weil für dich jede Firewall Lücken hatte. Hast uns geführt, wenn wir dachten, es gäbe keinen Ausweg mehr. Oder zu viele Wächter-Agenten und Überwachungssofts zwischen uns und der glitzernden Freiheit eines öffentlichen Megaplex-Knotens standen, um uns den Rückweg abzuschneiden. Hast sie abgelenkt. Eine Millisekunde nur, doch das reichte, um in das glimmernde Netz aus Information zu entkommen, das bis an den Horizont reicht. Einen Horizont, den wir mit einem einzigen Gedanken erreichen konnten. Wenn wir erst da draußen waren. Konnten wir fliegen, wohin wir wollten, hängten alle ab.

Du warst furchtlos, als wäre es nichts, zwischen ihre Intrusion Countermeasures zu schlüpfen, ihre digitalen Nacken zu durchstoßen oder ihre weißen Augen mit dampfenden zerstörerischen Angriff-Programmen zu füttern. Für dich war es ein Tanz, ein gefährlicher Tanz, am Rand des Abgrunds, des Vulkans aus blauer Hitze. Aber du warst ihnen immer einen Schritt voraus. Du warst ein Tänzer. Bist du gestolpert bist. Und wir wissen nicht, worüber. Warum du nicht einfach wieder aufgestanden bist. Wie du es doch immer getan hast, seit dich deine Eltern als kleines Kind in dieser Gasse von Neo-Berlin einfach zurückgelassen haben. Weil sie gestorben sind oder weil sie keinen Platz in ihrem Leben für dich hatten. Du hast dir diesen Platz geschaffen. Immer und immer wieder. In dieser und in jeder beliebigen Welt, die wir seitdem miteinander geteilt haben.

Meine Hand zittert, wenn ich nur daran denke, wenn ich mein altes Hackerdeck auch nur berühren möchte. Ich weiß nicht, was damals falsch gelaufen ist, was anders war, außer das Ziehen in meinem Bauch. Ich habe nicht den Mut, zurückzukehren und es herauszufinden. Meine Fähigkeiten schwinden mit jedem Tag, in dem ich in diesem Rattenloch festsitze. Der Spielplatz verblasst. Jemand hat Stacheldraht herumgezogen. Vielleicht war ich es selbst. Um mich, wenn ich mich daran schneide, daran zu erinnern, dass ich es nicht überleben würde, wieder einzutauchen. Nicht in meinem Zustand. Nicht mit diesem Zögern. In meinen Fingern. In meinem Kopf. Wir haben gezögert. Der Stacheldraht soll mich erinnern, wie schwach – aber vor allem – wie feige wir alle waren. Meine Hand fährt zum Hackerdeck, und zittert, und verkrampft, dann zuckt sie zurück und greift stattdessen zum billigen Soybier vom Stuffershop um die Ecke.

Ich sehe dich fallen, und niemand von uns war nah genug bei dir, um dich aufzufangen. Um dir wieder aufzuhelfen. Weil wir doch immer so sicher waren, dass du dich nur abrollst und dann wieder ganz von alleine an unserer Seite bist.

Wir sind uns nur selten begegnet, im wirklichen Leben, in unseren nüchternen Carbonhüllen. Das war Teil unseres Abkommens. Ein Schutz, damit wir, wenn es einer von uns nicht aus einem Knoten herausschafft, die anderen nicht gefährdet. Die Spur nicht zurückzuverfolgen war. Und ich bin froh, dass ich nie deinen physischen Körper ansehen musste, nachdem du gegangen warst. Als dich der Nexus fraß, einfach da behalten hat. Ich hätte den Anblick deines verbrannten Fleisches, deines kochenden Blutes nicht ertragen.

Für mich wirst du immer ein silberner Schatten bleiben.

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Die Einflüsse zu Hardwired

Cyberpunk ist noch ein vergleichweise junges Sub-Genre, eine dystopische Spielart der Science fiction, die sehr viel dichter an unserer heutigen Gegenwart als an einer fernen, fremdartigen Zukunft ist. Mehrfach hat die Realität Entwicklungen, die im Cyberpunk schon vorausgesehen wurden, überholt. Wo die ersten „neuzeitlichen“ Hacker, Neuromancer und Decker noch mit kabelgebundenen Decks in virtuellen Realitäten unterwegs waren, lief plötzlich die halbe Welt mit Smartphones in WiFi-Netzen herum – ein Umstand, an den sich das Rollenspiel Shadowrun in seinem Klassiker Vernetzt sehr elegant angepasst hat.

Keine Neuromantik — das Genre Cyberpunk

Das Genre Cyberpunk begann mit einem großen Namen im Jahr 1984 und erlebte einen kurzen heftigen Boom: William Gibson und sein Meisterwerk Neuromancer. Nervenkitzel mit „Neuronal-Zauberer“: Dieses Buch hatte schon alles, was spätere Genregrößen nur aufsaugten und ausbauten, so wie es Conan oder Herr der Ringe für das Fantasy-Genre leisteten. Eine abgehalfterte Straßensamurai und ein Hacker geraten in neongefluteten Straßenschluchten wuchender Megasprawls in eine weltumspannende Verschwörung, an der natürlich eine Künstliche Intelligenz beteiligt ist. Perfekter Lesestoff, wenn der Himmel wieder „die Farbe eines Fernsehers“ hat, „der auf einen toten Kanal geschaltet war“ – lesen! Unbedingt.

Mensch und Maschine — Untergang oder Hoffnung?

Große Themenfelder sind der Konflikt zwischen – und die Verbindung von – Mensch und Maschine, die Nutzlosigkeit und Schwäche des organischen Körpers, Transhumanismus – also die potenzielle Unabhängig der menschlichen Seele von seiner alternden fleischlichen Hülle. Der Umgang mit KIs als eigenständige Wesen – haben sie Grundrechte? Und nicht zuletzt ein krasses Auseinanderklüften der Schere zwischen Arm und Reich. Staaten haben längst nicht mehr das Sagen, sondern weltumspannende übermächtige Megakonzerne, die in den Megastädten einen brutalen Schattenkrieg führen.

Während Shadowrun die Cyberpunk-Spielart um Fantasyelemente erweitert, um auch klassische Dungeon Delver für Paydata, Chrom und Megapulses zu interessieren, greift Cyberpunk 2077 lieber das einschlägige 80ies-Feeling auf und mixt es im kontrovers diskutierten CD Projekt Red-Game mit dem abgehalfterten Surferboy-Image eines postnuklearen Kaliforniens: Willkomen in Night City, Matrix- und Johnny Mnemonic-Star Keanu Reeves aka Johnny Silverhand inklusive.

Was macht uns menschlich?

Blade Runner, das filmische Genremeisterwerk von Ridley Scott, erlebte mit Blade Runner 2049 ein atmosphärisch dichtes Sequel, dass sich ein ums andere Mal um die Frage dreht – woran erkennen wir noch künstliches oder natürliches Leben? Was macht uns eigentlich menschlich? Und findet ein mächtiges Bild für den Gegensatz von Arm und Reich – nur die Elite erhebt sich noch in fliegenden Autos in einen säureregennassen Luftraum zwischen düsteren monolithischen Wohn- und Geschäftstürmen. Hier werden Träume programmiert und zum Verkauf angeboten, weil die Realität ein Desaster ist.

Kleiner Hirnf...tanz gefällig?

Apropos Träume – künstliche Welten, ob sie nun Braindancer oder BetterThanLife-Chips heißen, sind die süchtig machende Droge einer abgehängten Bevölkerung, die sich in lebensechte Ersatzwelten flüchtet und sich ansonsten nur von Fertigprodukten aus Soya und Chemie ernährt. Nicht so weit weg von unserer Realität – oder? Hier sei übrigens Strange Days erwähnt, großes Kino, das die Perversion einer vergnügungssüchtigen Masse in Snuff-Fantasien weiterdenkt.

Trotz aller Düsternis folgen wir gern den Antihelden, die sich in diesem lebensfeindlichen Milieus eine Nische durch das Halblicht der Häuserschluchten schlagen – ob nun mit Witz, Hightech oder Katana. Und kommen nicht umhin, dabei über unsere eigenen Ideale und Lebensentwürfe nachzudenken. Einfach nur Durchladen und Traumapatch auf die Spuren unserer letzten Straßen-Verhandlung? Cyberpunk ist weit mehr als das – und lässt mich nicht los, auch beim Schreiben nicht. „Hardwired“ ist das vorläufige Ergebnis meiner Fanboy-Ausflüge in regennasse Neonhalbwelten und wird so oder so in naher Zukunft fertig werden. Over, out, Cyberpunkt.